Projekt: Aufbau einer SWR-Messbrücke für 23 cm

Hallo,

eine SWR-Messbrücke ist eigentlich ein Muss an jeder Amateurfunkstation. Für eine KW-Station ist so ein Gerät fast bei allen OM´s selbstverständlich. Warum eigentlich nicht auch für die höheren Bänder? Eine Preisfrage? Hier werde ich zeigen wie man aus preiswerten Bauteilen (Bastelkiste, Flohmarkt etc.) ein für unseren Zweck brauchbares Gerät herstellt.

Als Ausgangsmaterial habe ich mir eine defekte Kreuzzeigermessbrücke aus dem KW-Bereich besorgt Fragt doch mal einen CB-Funker, die wissen oft wo noch solch Elektronikmüll rumliegt. Wir benötigen lediglich das Gehäuse und das Messwerk Sollte der Schalter und der Spannungsteiler noch funktionieren - um so besser.

Als Erstes entfernen wir die rückseitigen PL-Buchsen und die KW-Kopplerplatine. Vorher markieren wir uns nach Möglichkeit die Anschlußdrähte (zumindest die Masse). Später können wir uns die Vor- und Rücklaufleitung anprüfen.
Nun gibt es mehrere Möglichkeiten einen neuen Koppler zu bauen. Ich werde hier zwei Möglichkeiten vorstellen.
 

1. Möglichkeit
In die Gehäusebohrungen in denen ursprünglich die PL-Buchsen waren befestigen wir zwei N-Verbinderbuchsen mir Flansch. Dahinein werden wiederum zwei N-Norm Winkelstecker geschraubt. An Stelle des Koaxialkabels wird ein Stück Ø10mm Messingrohr eingesetzt. Die Länge ergibt sich aus der Bauform des Gehäuses. Es werden zwei 2,5mm Bohrungen im Abstand von 24mm quer durch beide Seiten des Rohres gebohrt. Nun Werden die Anschlusstellen links und rechts neben den 2,5mm Löchern verzinnt. Zwei kurze Stücke Teflondraht die von innen durch die Löcher geschoben werden, bilden die Koppelstrecken. Den Innenleiter gewinnen wir aus einem Stück Koaxialkabel RG393 (PTFE). Nun noch zusammenstecken und verlöten. Eine Seite einer Koppelstrecke wird mit einen 50 Ohm SMD-Wiederstand auf Masse gelegt. Die zweite Seite geht über eine Diode z.B. HP2800 auf einen Keramikkondensator (ca.1nF)
Drähte vom Messwerk anschließen --- und fertig zum Abgleich!

Dieser Koppler macht zwar ewas mehr Arbeit, aber man hat ja sonst nichts zu tun!

Zusammengebaut sieht es dann so aus.

2. Lösung für weniger handwerklich begabte OM´s
Bei einigen Händlern kann man Kopplerbausätze auf Platinenbasis bekommen. So einen habe ich hier als Beispiel einmal aufgebaut. Die hier abgebildeten Kabelflanschdosen stammen von einem Amateurfunkflohmarkt. Der Aufbau ist simpel. Eigentlich kann ein nichts verkehrt machen. Nur auf die Dioden sollte man acht geben. Kurz einlöten, jedoch nicht zu heiß machen. Von ihrer Kennlinie hängt die Anzeigengenauigkeit ab. 

Für OM´s die handwerklich nicht so gut drauf sind!

Noch ein paar Worte zum Schluss.
Der Abgleich erfolgt an einem Referezgerät. Zum Einstellen werden  die Vorwiederstände der Messwerke verändert. Ein aufmerksamer Beobachter wird feststellen, das obwohl der Endausschlag richtig eingestellt ist, eine kleinere Leistung nicht richtig angezeigt wird. Dieser Anzeigenfehler ist in der Diodenkennlinie zu suchen. Wer es genauer haben möchte kann Experimente mit verschiedene Dioden machen. Dabei sollte aber beachtet werden, das die vorhandenen Referenzgeräte auch große Toleranzen haben können.  

Nachtrag:

Ich konnte es selbst nicht glauben, aber die Messwerte haben mich von der Qualität des selbstgebauten Kopplers überrascht.
Ich habe noch nicht ausprobiert ob die ausgekoppelte Leistung in den anderen Bändern ausreichend ist um eine brauchbare Anzeige zu bekommen. Hier giebt es die Messergebnisse als Exeltabelle (incl.Phasenlage).

Gemessen mit:
Sitemaster S331A von Anritsu.
Dargestellt ist das Einfüge-SWR des selbstgebauten Kopplers (aus Messingrohr)